Nicht jeder Andersdenkende ist Reichsbürger

Jörg Drews: „Wir brauchen mehr Toleranz und Debattenkultur“

Bautzen, 22. Januar 2021.

Eine Debatte auf Basis von Fakten fordert Jörg Drews, Mitglied im Rat der Stadt Bautzen und engagierter Unternehmer. Nicht jeder, der eine andere Meinung vertritt, sei ein Umstürzler, nicht jeder, der sich kritisch äußert, sei ein Reichsbürger. Die ständige Diffamierung müsse ein Ende haben. Diskussionen müssten versachlicht werden. Darüber hinaus seien Twitter und andere soziale Netzwerke kein rechtsfreier Raum, in dem jeder seine radikale Weltsicht hemmungslos verbreiten könne. Mit diesen Worten übt Jörg Drews scharfe Kritik an Birgit Kieschnick und deren Rechtsanwalt Jürgen Kasek.

„Seit fast zwei Jahren werden insbesondere von Birgit Kieschnick unwahre Behauptungen über mich verbreitet, Gewalt aus deren Gefolgschaft gegen mich und mein Unternehmen mehr oder weniger offen goutiert“, so Drews. „Ich bin kein Reichsbürger. Ich engagiere mich vielfältig in und für die Gemeinschaft. Ich möchte dieses Land und die Menschen voranbringen. Dafür arbeite ich als Unternehmer, als Kommunalpolitiker, als Mäzen und als Mensch.“ Es mache ihn traurig, dass sein gut gemeintes Engagement immer wieder Anlass gebe, ihn, sein Unternehmen und andere zu diskreditieren. Dabei ließen sich die meisten Argumente ruhig und sachlich austragen – in politischen Gremien oder im direkten Dialog. Social Media und persönliche Anfeindungen seien dafür die falschen Foren und riefen viele radikale Akteure auf den Plan. „Das ist der Grund, weswegen ich von Frau Kieschnick eine Unterlassung gefordert habe. Ich möchte das gerne juristisch und rechtsstaatlich klären lassen. Deswegen werde ich auch Rechtsmittel gegen die jetzige Entscheidung des Landgerichtes Frankfurt einlegen“, macht Drews deutlich.

Das Gericht habe keineswegs, so wie es manche Medien berichteten, entschieden, dass man ihn „der Reichsbürgerei“ bezichtigen dürfe. Vielmehr hat das Gericht nur entschieden, dass es nicht in einem einstweiligen Verfügungsverfahren darüber entscheiden wolle, Frau Kieschnick zu verbieten, ihren Tweet, in dem sie von Belegen spricht, weiter online zu lassen. „Es gibt kein Urteil in der Hauptsache“, stellt Drews fest. Außerdem habe er die Unterlassung nicht bezüglich der Aussage gefordert, „er betreibe Reichsbürgerei“, sondern in Bezug auf die Aussage, dass Frau Kieschnick angeblich Beweise „für die Reichsbürgerei“ habe. „Diese Beweise gibt es aber nicht. Es kann sie nicht geben, weil es schlicht nicht stimmt.“ Ihre Aussage ist demzufolge eine unwahre Tatsachenbehauptung und eben nicht mehr von der Meinungsäußerung gedeckt.

Nichts von dem, was der Verfassungsschutz in Bezug auf den Begriff Reichsbürger definiert, treffe auf ihn zu, sagt Drews. „Leider hat Frau Kieschnik eine eigene Definition des Begriffs, jenseits jeder Logik. Sie meint selbst definieren zu können, was ein sogenannter Reichsbürger ist und legt dann diesen rein willkürlichen Maßstab an jeden Andersdenkenden an. Das hat Methode und dient ihr als Rechtfertigung für etliche mediale Hetzjagden auf mehrere honorige Bürger dieser Region.“ Diffamierung, Diskreditierung und systematische Verunglimpfung seien das Handwerkszeug von Frau Kieschnick, in dessen Folge dann Drohungen und Gewalt entstehen. Dem müsse Einhalt geboten werden.

Dass er als Kommunalpolitiker und jemand, der sich öffentlich äußert, auch Kritik aushalten müsse, sei klar. „Debatten bereichern unser Leben, bringen uns als Gesellschaft voran“, so Jörg Drews. Die Grenzen des Sagbaren im Rahmen der grundrechtlichen Meinungsäußerung seien sehr weit. Das sei auch gut so. Allerdings müsse das gleichermaßen für alle gelten. Die Grenzen würden erreicht, wenn beleidigt, diffamiert und gelogen wird. „Ich habe mich nie persönlich zu einzelnen Personen geäußert, bin nie ungerecht geworden. Hass und Hetze kamen immer von anderen in meine Richtung. Das lässt sich ganz objektiv feststellen. Das Ergebnis sehen wir in Form von Gewalt und Drohungen gegen mich und mein Unternehmen.“

„Ich würde mir wünschen, das unterschiedliche Weltanschauungen tolerant und im Dialog ausgetragen werden. Dazu bieten sich gerade in Bautzen und in der Region diverse Foren und Gremien an“, so Drews abschließend. Er sei immer gesprächsbereit und stelle sich gerne der Diskussion.

Leserbrief: Autorenkreis Lausitzer Almanach e.V. äußert sich zur Morddrohung

„Der Inhaltsverantwortliche weist darauf hin, dass der Inhalt des Leserbriefes die Ansicht des Einsenders wiedergibt, die mit der Meinung des Inhaltverantwortlichen nicht unbedingt übereinstimmt.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leserbrief: Ein Bürger von Bautzen schreibt an Herrn Kasek

„Der Inhaltsverantwortliche weist darauf hin, dass der Inhalt des Leserbriefes die Ansicht des Einsenders wiedergibt, die mit der Meinung des Inhaltverantwortlichen nicht unbedingt übereinstimmt.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Morddrohung, Gewalt und Ungerechtigkeit als Mittel der (kommunal)politischen Auseinandersetzung?

Eine persönliche Erklärung:

Am Vormittag des 22. Dezember 2020 erhielt mein Unternehmen einen Drohanruf. Wortlaut: „Die Sachsensau Drews wird sterben.“ Ich nehme diese Drohung ernst. Sie gilt mir persönlich, meinem kommunalpolitischen Engagement und meinen Aktivitäten für die Stadt Bautzen sowie für die Region Ostsachsen. Dass in der Drohung auch gleich alle Sachsen beleidigt werden, zeigt, wie stark Vorurteile inzwischen wirken – Vorurteile, die insbesondere durch die Medien geschürt werden. Das Bild vom rechten, ungebildeten, ewig gestrigen und unbelehrbaren Sachsen zieht sich seit Jahren durch die Gazetten. Dass dabei auch heimische Medien mitmischen und entsprechendes „Dashing“ betreiben, ist dabei nur eine Randnotiz.

Damit haben wir nun die Stufe der Morddrohung erreicht. Es ist eine neue Eskalation, nachdem es inzwischen mehrere Brandanschläge auf Baustellenfahrzeuge und Maschinen meines Unternehmens gab, nachdem man mich in den sozialen Netzwerken fortwährend ungestraft und leider auch weitgehend unkommentiert diffamiert, beleidigt und diskreditiert. Es bleibt immer weniger bei Worten, schon gar nicht bei Worten unter Demokraten. Es folgen zunehmend Taten: Brandanschläge, Zerstörungen, Einschüchterungen und eben jetzt auch handfeste Drohungen.

Wer sich in die Öffentlichkeit begibt, der muss auch Einiges erdulden. Das ist normal. Als Stadtrat, Arbeitgeber und jemand, der sich auch selbst öffentlich zu Wort meldet, muss ich Gegenwind und andere Meinungen tolerieren und akzeptieren. Ich begrüße dies sogar, denn ich bin mir bewusst, dass Erfolg – sei er beruflich oder politisch – immer auch im Austausch, im Dialog und in der Kontroverse begründet ist. Andere Meinungen, auch harte verbale Auseinandersetzungen, bereichern die Meinungsvielfalt und das demokratische Miteinander. Die Grenze aber ist erreicht, wenn Straftaten begangen werden, Menschen persönlich oder im eigenen Umfeld eingeschüchtert und an den Pranger gestellt werden und sich Gewalt Bahn bricht.

Andersdenkende sind kein Freiwild. Die Familie, die Mitarbeiter, der Freundeskreis, die Kunden und Lieferanten, das soziale Umfeld Andersdenkender ist kein Freiwild. Aber statt Hetzern und Rufmördern Einhalt zu gebieten, stehen viele passiv konsumierend oder aktiv unterstützend kommentierend am Rande und nehmen das Schauspiel wohlwollend zur Kenntnis. Wer nicht der Gedankenwelt einer Minderheit entspricht, die sich aber als Sprachrohr der gutmeinenden Mehrheit stilisiert, darf anscheinend ungestraft Gewalt anwenden. Gefeiert werden die Täter dann in den (sozialen) Medien.

Ich zahle Steuern, beschäftige mehrere Hundert Mitarbeiter, Spende erhebliche Summen für soziale und gemeinnützige Zwecke, engagiere mich im Stadtrat und in weiteren kommunalen Gremien, fördere Kinder, Jugendliche, den Sport, die Kultur und die politisch-pluralistische Meinungsbildung, werde aber „der Reichsbürgerei“ beschuldigt – von einer Kommunalbeamtin. Das ist nicht nur unlogisch, es ist ein Vorwurf, der gezielt meine Persönlichkeitsrechte und Integrität angreift.

Posts und Tweets sind inzwischen meinungsbildend. Denn anders ist es nicht zu erklären, dass es einzelne Absonderungen in sozialen Netzwerken immer wieder schaffen, in der regional größten Tageszeitung abgedruckt zu werden – fast immer konnotiert aus der Perspektive derjenigen, die sich aggressiv gegen mich und mein Unternehmen in Stellung bringen.

Die Saat der Hetze geht auf. Wenn der Rechtsanwalt der oben genannten Kommunalbeamtin davon spricht, „die Streitkräfte in Bewegung zu setzen“, an mehreren Stellen Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung anerkennt und selbst die Justizministerin des Freistaates Sachsen der Meinung ist, dass man ja selbst schuld sei an der Gewalt, die einem widerfährt, wenn man „anderweitig unterwegs“ ist. Das alles bleibt medial weitgehend unkommentiert. Entsprechende Belege hängen dieser Stellungnahme an.

11.12.2020

23.12.2020

27.11.2020

Es bleibt auch unkommentiert, wenn sich kommunalpolitische Mandatsträger im Kreis linksextremistischer Akteure bewegen, die mit der Verfassung wenig im Sinn haben.

Was aber medial begleitet wird, ist, wenn sich einzelne Personen davon distanzieren und den Vorgang einer rechtlichen Prüfung unterziehen möchten. Es darf nur noch eine Meinung geben, so scheint es. Wer nicht ins Bild einer lauten Minderheit passt, soll an den sozialen und medialen Pranger gestellt werden. Es sind nur wenige Aggressoren, aber sie nehmen den Raum ein, den die schweigende Mehrheit ihnen überlässt. Und dass diese kleine, laute, sich zunehmend radikalisierende Minderheit eben nicht der Mehrheitsmeinung entspricht, erlebe ich täglich in zustimmenden Mails und Briefen. Es wird Zeit, dass sich mehr Menschen engagieren und zu Wort melden, dass endlich wieder eine Debatte stattfinden kann, die eben nicht auf Vorverurteilungen in den sozialen Netzwerken, einer weitgehenden einseitig berichtenden Tagespresse und Schmähungen fußt, sondern die Kontroverse zulässt und Andersdenken und Anderssein akzeptiert. Das ist das Streben meines Engagements.

Ich habe mich nie an derartigen Verbalattacken beteiligt. Es waren immer andere, die mich als Ziel ins Visier genommen und angegriffen haben.

Die Hemmungen sinken. Sprachliche Gewalt wird zur Routine. Doch dieser sprachlichen Gewalt folgen nun auch handfeste Attacken – Einschüchterungen, Mord- und andere Drohungen sowie gezielte Angriffe auch auf mein soziales Umfeld und meine Mitarbeiter sind an der Tagesordnung. Ich frage mich, wann die wirklichen Aggressoren, die Feinde der Demokratie und der Meinungsvielfalt, die Verharmloser von Gewalt und die Akteure der Diffamierung genauso an den Pranger gestellt werden. Es herrscht massive Ungleichheit in der politischen Debatte und in der medialen Aufmerksamkeit. Die Medien werden im Rahmen der Debatte ihrem Auftrag, objektiv zu berichten, nicht gerecht. Die Konsequenzen tragen dann andere – die Menschen in der Region.

Netzfunde und Beachtenswertes…

Die Autorin Doreen Kirsche hat im Internet ein Gedicht veröffentlicht, in dem die Gedanken und Gefühle zur derzeitigen Situation gut wiedergegeben sind…

Hoffnungslicht

Das Leben bremst, zum zweiten Mal,
die Konsequenzen sind fatal,
doch bringt es nichts, wie wild zu fluchen,
bei irgendwem die Schuld zu suchen,

denn solch wütendes Verhalten
wird die Menschheit weiter spalten,
wird die Menschheit weiter plagen
in diesen wahrhaft dunklen Tagen.

Viel zu viel steht auf dem Spiel,
Zusammenhalt, das wär‘ ein Ziel,
nicht jeder hat die gleiche Sicht…
Nein, das müssen wir auch nicht…
Die Lage ist brisant wie selten,
trotz allem sollten Werte gelten
und wir uns nicht die Schuld zuweisen,
es hilft nicht, wenn wir uns zerreißen.

Keiner hat soweit gedacht,
wir haben alle das gemacht,
was richtig schien und nötig war,
es prägte jeden, dieses Jahr.

Für alle, die es hart getroffen,
lasst uns beten, lasst uns hoffen,
dass diese Tage schnell vergeh‘n
und wir in bess‘re Zeiten seh‘n.

Ich persönlich glaube dran,
dass man zusammen stark sein kann…
Für Wandel, Heilung, Zuversicht
zünd‘ mit mir ein Hoffnungslicht.

Leserbrief: Rückmeldung zum Artikel „Wutbürger an der B96“ vom 6. Juli 2020

Großpostwitz, den 17. August 2020

Werter Herr Leber,

vor lauter Kopfschütteln über Ihren schlecht recherchierten, völlig einseitig überzogenen, pervers anmutenden und mit unwahren Schlussfolgerungen gepflasterten Artikel „Wutbürger an der B96“ bekomme ich kaum ein Wort auf die Tastatur gehämmert.

Als gelernter „Ossi“ komme ich nur zu einer schlussfolgernden Zusammenfassung: Wir sind hier alle gleich dumm, rechtsorientiert, AFD-abhängig, gegen Corona, gegen Impfungen, Reichsbürger. Sie vermitteln ein völlig falsches und einseitige Bild von den Menschen an der B96. Das ist beleidigend in höchster Form. Vielleicht schauen Sie zu viel RTL oder sind einfach nur auf Sensationen aus, die man verkaufen kann und die kaum ein Leser hinterfragt. Ausführungen an Stammtischen haben da aus meiner Sicht höheres Niveau.

Sind Ihre Darstellungen, die es natürlich nicht generell zu leugnen gilt, das Aushängeschild für die Menschen an der B96? Mit wie vielen Bürgern sprachen Sie? Haben diese Menschen das oft strapazierte Wort Demokratie falsch verstanden?

Ich erwarte doch keine hochgeistigen Leistungen von einem Journalisten. Objektive, allseitig umfassende und reale Berichterstattung ohne eigene Interpretationen ist mir allerdings wichtig.

Sie erwähnen den Namen Annalena Schmidt. Außer „klugen“ Reden habe ich noch nichts von ihr gehört. Wenn mir Bautzen am Herzen liegt, dann bin ich doch bemüht, es tatkräftig voran zu bringen. Dann entferne ich doch Schmierereien und twittere sie nicht noch – oder? Dieses Handeln wäre für mich Vorbild. Aber die Grünen haben ohnehin Probleme wie z.B. mit der Grammatik in ihrem letzten Wahlflyer. Eine schriftliche Anfrage meinerseits zum Inhalt dieses Flyers blieb natürlich unbeantwortet. Auch Frau Schmidt äußerte sich nicht dazu. Sie können mir glauben, meine Fragen waren interessant und aktuell. Vielleicht fehlten die Antworten auf meine Fragen oder es gab einfach nur Leseprobleme.

Haben Sie Ihre angeführten Zitate wirklich selbst gehört? Mir sind solche (zum Glück) noch nicht zu Ohren gekommen und deshalb finde ich das schon etwas seltsam. Ich würde solche Äußerungen ablehnen und mich dafür auch schämen.

Sie schreiben: „Alltag in Bautzen ist, wenn die Leiterin der Oberschule einer einschlägigen Familie angehört, der Ehemann AfD-Funktionär, die Tochter bei der rechtsextremen Identitären Bewegung aktiv.“ Bis zum Ehemann verstehe ich noch den Satz aber dann hört es bei mir mit dem grammatischen Verständnis auf. Kann man eine Familie, deren Handeln von der Politik offensichtlich toleriert wird, zum „Alltag in Bautzen“ stilisieren? Das ist schon heftig daneben und was heißt „einschlägig“?

Bautzen ist auch gekennzeichnet von sehr vielen Aktivitäten wissenschaftlicher Art von Kindern und Jugendlichen. Schauen Sie sich die Abiturergebnisse der letzten Jahre an, recherchieren Sie bei Jugend forscht usw.

Frau Schmidt meint: „Bautzen ist komplett im Arsch“. Da frage ich mich, wie sie zu dieser Schlussfolgerung kommt, was sie damit meint und was hat sie in ihren Bemühungen dagegen falsch gemacht? Auf welches Niveau begibt sie sich denn! Einfach den Schwanz einziehen und das Weite suchen – das ist doch ein Armutszeugnis und ein Schlag gegen jeden Bürger, der für Bautzen lebt und arbeitet und auch noch etwas schafft! Ich muss auch lernen, Wahlergebnisse zu akzeptieren, auch wenn es in mir großes Unverständnis auslöst.

„Die Strategie des Oberbürgermeisters, mit den Rechten zu reden, ist total gescheitert“, sagt A. Schmidt. Ich frage: In welcher Hinsicht, an wem liegt es? Hat sie ihn unterstützt? Was kam bei den Gesprächen heraus? Dennoch halte ich die Gesprächsbereitschaft von Herrn Ahrens für sehr, sehr wichtig und richtig!

Sie sprechen das Thema einflussnehmender Männer an. Die gab es in der Geschichte schon immer – ob nun positiv oder negativ. Wenn ein Mensch auf mich Einfluss nimmt, muss ich das erst einmal zulassen. Wenn ich mit seinen Ideen und seinem Handeln konform gehe, erst dann lasse ich mich doch beeinflussen ohne meinen eigenen Standpunkt zu verlassen, höchstens zu ergänzen.

Ihre Sicht zu den Bürgerforen, die Herr Drews mit organisiert, halte ich für nicht haltbar. Ich selbst war mit meinem Vater bei mehreren Foren anwesend. Ich konnte nie eine Manipulation oder eine Verletzung der demokratischen Grundrechte, eine Hetze oder Verschwörung beobachten. Im Gegenteil. Die Einführungen von Herrn Drews mit seinen „echten“ Zitaten ließen mich über so manche politische Handlung nachdenken. Herr Drews bietet eine Möglichkeit, Informationen nicht nur aus der Bild oder RTL zu bekommen. Diesen Infoveranstaltungen konnte ich mehr Inhalte entnehmen als aus billigem Journalismus und abstrusen Abhandlungen. Und wenn das alles nur Fake wäre, würden dann so viele Bürger der B96 die Foren besuchen und förmlich nach Informationen rundum gieren? Aus den Fehlern zu lernen muss doch das Ziel sein! Und das muss jeder Mensch begreifen und entsprechend handeln.

Herr Drews ist einer der ganz, ganz wenigen Bürger, der zwar nicht in der Garage, aber mit der Maurerkelle seinen Weg begann und durch Fleiß, Mut, Ausdauer, Beharrlichkeit, Geschäftstüchtigkeit und vielleicht auch etwas Glück heute der ist, zu dem ich ganz weit nach oben schauen kann. Hier ein echtes Zitat von ihm: „Wo soll ich investieren, wenn nicht hier?“ Sein Weitblick, seine Zukunftsvisionen, seine Heimatverbundenheit und sein Stolz auf seine Mitarbeiter, die er stets benennt, verschaffen ihm Sympathie und Respekt. Und damit meine ich nicht einmal die vielen dankbaren Menschen und Institutionen, die in den Genuss seiner riesengroßen Sponsorenaktivitäten kommen, von denen Sie nicht einmal die Spitze des Eisberges erahnen.

Sie schreiben ferner: „Jörg Drews selbst sagt, in einer multikulturellen Gesellschaft gingen Werte verloren.“ Können Sie mich vom Gegenteil überzeugen? Interessant dabei ist aber, auf welcher Seite. Bei einer multikulturellen Gesellschaft muss es ein „Geben“ und ein „Nehmen“ geben, sonst funktioniert das nicht. Alle Beteiligten müssen lernen, zu achten und zu respektieren. Das gilt auch gegenüber Baumaschinen, die nur Primaten auf Kosten der steuerzahlenden Bevölkerung anzünden. Wo bleibt hier die Aufklärung? Wo bleibt der Schutz von Mensch und Material, die unser aller Lebensgrundlage bilden? Darüber sollten Sie recherchieren. Oder ist da etwa ein wenig Angst vor der Realität zu erwarten?

A. Schmidt, so Ihre Ausführungen, bekommt viele Drohungen. Das verurteile ich. Das hat nichts mit Demokratie zu tun, das ist primitiv. Man kann aber auch nicht die Bürger dafür verantwortlich machen, wenn ihre Ansichten nicht aufgehen. Vielleicht hat sie nicht so viele Befürworter, wie sie gerne hätte. Mephisto sagte schon in Goethes Faust (sinngemäß): „Ich bin der Geist, der stets das Böse will und doch das Gute schafft.“ Vielleicht hat Frau Schmidt, bei allem ihr gebührenden Respekt, die Sache falsch angepackt oder diese Zeilen falsch interpretiert. Schade eigentlich.

Wenn ich die CDU wähle, die dann mit der SPD kungelt, die ich vielleicht gar nicht mag, kann ich doch nicht schlussfolgern, die Sachsen-Regierung ist „komplett im Arsch“. In der Demokratie, so fasse ich sie auf, muss ich das akzeptieren, was die Mehrheit beschließt. Auch wenn es manchmal ein Schlag ins Gesicht ist. Und wenn heute Rechtsextremismus aufkommt, muss ich die Ursachen dafür finden und beseitigen. Meckern hilft nicht. Vielleicht sollten sich manche Politiker nicht sinnlos zerfleischen, sich mit der Erfindung ihrer Daseinsberechtigung beschäftigen, sondern lieber gemeinsam analysieren und gemeinsam handeln. Es macht sicherlich auch Sinn, seinen beruflichen Erfahrungen entsprechende politische Ämter zu besetzen.

Ich lehne übrigens jeden Extremismus ab – sowohl von rechts, als auch von links. Im Fernsehen zum Beispiel, ich sah es selbst voller Entsetzen und fühlte mich wie in einem ganz miesen Film, sagte eine Vertreterin der Linken (vielleicht nicht ganz wörtlich): „Wir führen die Revolution. Und wenn wir 5% der Reichen erschießen, gibt es immer noch genug davon.“ Daraufhin ein anderer Herr an einem weiteren Mikro: „Warum erschießen – die setzen wir für niedere Arbeiten ein.“ Nun weiß ich nicht, wie ich das deuten soll. Gehören Politiker mit solch einer öffentlichen Entgleisung zu meinen Vorbildern? Ist das auch noch Demokratie?

Ich kenne persönlich den Werdegang zweier „Politiker“. Unsagbare Enttäuschung macht sich da bei mir breit. Ohne Beruf, ohne Studium – da hatten wir ja in der DDR noch wenigstens einen Dachdecker… Zum Glück gibt es aber auch einen, der richtig gut für die Stadt unterwegs ist.

Ich möchte Ihnen eigentlich nur verdeutlichen, dass es immer solche und solche Bürger gibt und auch geben wird. Prinzipiell muss ich alle Seiten anhören und mit ihnen ins Gespräch kommen, auch wenn ich selbst von dem vielen Gerede nicht so begeistert bin. Eigenverantwortliches Handeln, Arbeiten für die Gesellschaft, Verantwortung für Mitmenschen (s. Drews) halte ich für den besseren Weg, auch wenn er schwerer ist. Das viele Reden und Zerreden bringen uns nicht vorwärts – das Schaffen von Gütern und Werten sichert unseren Wohlstand. Dazu gehören unbedingt auch ethische und moralische Werte.

Sie sollten ein Bild von Bautzen im Herzen haben, das die vielen ehrlich arbeitenden Menschen mit ihren Familien, ihren Sorgen und auch ihren Visionen und Wünschen widerspiegelt. Und darum möchte ich Sie ganz herzlich zu uns in den Verein, den Zuseum e. V., zu einer Gesprächsrunde ohne Presse, ohne Schau, nur ganz ehrlich, unvoreingenommen, einladen. Vielleicht können Sie auch einmal die weitaus überwiegenden guten Seiten der Bürger an der B96 beleuchten. Sie werden erstaunt sein, dass aus Sachsen nicht nur der Kaffeefilter kommt. Hier sind kreative, mutige und vor Enthusiasmus strotzende Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern unterwegs. Und das können Sie alles bei uns live erleben und mitnehmen.

In diesem Sinne verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

www.bautzenerbote.de: Extremistisch sind immer nur die anderen

Da sage keiner, das tagtägliche Lesen der örtlichen Zeitung wäre gänzlich ohne Unterhaltungswert. Manchmal ist es …

Weiterlesen … www.bautznerbote.de

Jörg Drews: „Wir unterstützen schnell und unbürokratisch“

Der Geschäftsführer der Hentschke Bau GmbH spricht im Interview über soziale Verantwortung, regionales Engagement und die Umsetzung in der Praxis
Schon seit vielen Jahren macht sich die sächsische Hentschke Bau GmbH durch gesellschaftliches und soziales Engagement für die Region stark, fördert und unterstützt Sportvereine, Jugendfeuerwehren, Projekte für Kinder, für Kunst und Kultur, für Bildung und vieles mehr. Im Interview spricht Hentschke-Bau-Geschäftsführer Jörg Drews über das Thema Corporate Social Responsibility (CSR) und deren konkrete Umsetzung in der täglichen Praxis.

 

Hentschke Bau fördert ja sehr viel. Nach welchen Kriterien wählen Sie Vereine oder Initiativen aus?
Unser Hauptaugenmerk liegt auf regionalen Projekten. Wir fördern dort, wo wir und unsere Mitarbeiter zu Hause sind. Zudem bekommen wir auch direkte Anfragen von Mitarbeitern oder ihren Familien, die in den jeweiligen Vereinen unterwegs sind und sich dort gesellschaftlich engagieren. Diese Anfragen werten wir aus und helfen da, wo wir helfen können.

Gibt es spezielle Kriterien – etwa die Gemeinnützigkeit oder den Schwerpunkt Sport? Und wer entscheidet, welche Projekte gefördert werden?
Die Entscheidung liegt im Wesentlichen bei mir. Wir unterstützen all das, was wir als unterstützenswert empfinden. Wir unterstützen keine Abiturfeiern oder Ähnliches, sondern vielmehr dort, wo Hilfe wirklich notwendig ist. Wir helfen auf sehr unterschiedliche Weise – überall da, wo wir das Leben vereinfachen oder verbessern können. Der Schwerpunkt richtet sich vor allen Dingen auf Kinder, Jugendliche und alle Begegnungsstätten, an denen sie sportlich und gesellschaftlich unterwegs sind. Das geht vom Sport über die Jugendfeuerwehr und Schulsternwarte bis hin zum Bautzener „ZUSEUM“, wo Kinder angehalten werden, zu experimentieren und zu basteln, wo sie also eine sinnvolle Freizeitgestaltung bekommen. Einmal etwa hat sich ein junges Mädchen an uns gewandt, das eine Behinderung hatte und eine Aufstiegshilfe für ihr Pferd brauchte. Da haben wir in unserer Tischlerei eine Aufstiegshilfe gebaut und dem Mädchen übergeben.

Warum machen Sie das? Sie sind ja auch ein gewinnorientiertes Unternehmen. Was also sind die Beweggründe?
Ich bin der Meinung, dass wir als eigenverantwortliche Personen und insbesondere als Unternehmer für unser Umfeld mitverantwortlich sind. Es nützt nichts, wenn man zwar selbst eine gewisse abgesicherte Basis hat, das Umfeld aber nicht lebenswert ist. Ich denke, es ist unsere Aufgabe, selbst für ein lebenswertes Umfeld zu sorgen – dort, wo wir dies als Unternehmen können. Ich sehe das auch als Beitrag für unsere Mitarbeiter, die hier wohnen. Wenn wir einen Fußballverein unterstützen, betrifft dies vielleicht sogar das Kind eines Hentschke-Mitarbeiters. Auf diese Art und Weise gibt man seinen Mitarbeitern etwas zurück, denn ohne deren Fleiß in der Firma wäre diese ja nicht die, die sie jetzt ist.

Also ist es auch ein Stück weit dafür, das Unternehmen weiter attraktiv für die Mitarbeiter zu gestalten?
Es steigert unsere Attraktivität als Arbeitgeber und lässt die Mitarbeiter spüren, dass man als Unternehmen zwar gewinnorientiert ist, aber auch gesellschaftlich etwas beiträgt und zurückgibt. Wir tun dies natürlich auch, um das Engagement unserer Mitarbeiter zu würdigen, indem wir uns für ihre Belange auch außerhalb des Unternehmens engagieren.

Ist es üblich in Ihrer Branche, dass man sich so engagiert? Oder ist Ihr Unternehmen da in einer besonderen Position?
Das Engagement hängt natürlich in Teilen davon ab, ob das Unternehmen es sich leisten kann. Es gibt ja gesetzliche Vorgaben, dass man nicht mehr an Spenden ausgeben kann, als man eigentlich verdient. Auf der anderen Seite ist es so, dass wir natürlich in der Region auch einen Mehrwert erzeugen. Das merken wir zum Beispiel bei der Anwerbung von Jugendlichen für die Ausbildung und an der Qualität und Wertschätzung unserer Mitarbeiter. Wir haben mit dem, was wir tun, durchaus einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht.

Wird dieses Engagement auch diskutiert? Haben Sie da mal Feedback bekommen? Vielleicht nicht nur in Bezug auf einzelne Projekte, sondern auf das Engagement von Hentschke Bau ganz generell?
Ja, es wird diskutiert und es gibt durchaus auch mal eine Mitteilung von Mitarbeitern, die sich in den Vereinen eingebracht haben. Dann bekommen wir etwa ein Foto zurück mit einem Dankeschön, auf dem die Dinge zu sehen sind, die wir unterstützt haben – etwa Spielgeräte, wenn wir Kindergärten unterstützen. Oder wir werden in die Publikationen der Vereine eingebunden und auch immer wieder zu Vereinsveranstaltungen eingeladen.

Würden Sie sagen, dass engagierte Unternehmen hier Aufgaben übernehmen, die im weitesten Sinne im Bereich der Politik liegen?
Ja, durchaus. Nehmen wir zum Beispiel die Unterstützung des Breitensports. Im Schulbereich hat der Sportunterricht immer mehr abgenommen, während die Kinder zu Hause oft am Computer spielen und so immer weniger am sozialen Leben teilnehmen. Das Zusammenleben, das Durchsetzen und die körperliche Ertüchtigung, die der Sport mit sich bringt, werden dabei vernachlässigt. Gerade wir sind ein Betrieb, der Handwerker braucht – und ein Handwerker braucht eine gewisse körperliche Fitness. Damit hat unser Engagement für den Breitensport ein gewisses Eigeninteresse. Wir halten es aber auch ganz generell für wichtig, dass junge Leute durch Sport lernen, zu kommunizieren und sich durchzusetzen. Erfolg und Niederlage gemeinsam zu teilen, das macht soziales Zusammenleben doch erst aus. Zudem ist es so, dass wir hier eher eine Randregion sind. Wir haben sehr viele Betriebe, die nur eine verlängerte Werkbank sind. Wenige Unternehmen sind inhabergeführt, noch weniger haben die finanziellen Möglichkeiten, das, was wir tun, überhaupt zu leisten.

Gibt es für das, was sie tun, eine Ansprache aus der Politik? Etwa dergestalt, dass honoriert wird, was Sie leisten? Und gibt es kommunalpolitisch oder landespolitisch Anfragen mit der Bitte, mehr zu tun?
Das ist sehr schwierig. Direkte Forderungen von Seiten der Politik kann es ja an ein Unternehmen nicht geben. Es gibt natürlich manchmal den Hinweis auf ein Projekt, das unterstützenswert ist, aber in der Regel kommt nichts über die Politik. Ich trenne das auch ganz klar. Wenn Sie sich mit unserem Unternehmen beschäftigt haben, dann haben Sie vielleicht auch mal gelesen, dass mir insbesondere von politischen Gegnern vorgehalten wurde: Ich würde die Stadt mit meinem Engagement beeinflussen bzw. kaufen. Es gibt Artikel mit dem Titel: „Die gekaufte Stadt“. Dem ist aber nicht so, und dem will ich ganz klar widersprechen. Deswegen ist es eigentlich eher der unmittelbare Kontakt der einzelnen Beteiligten, die Politik bleibt außen vor. Auch mit NGOs habe ich eigentlich nichts zu tun. Ich habe eher die Vermutung, dass es die eine oder andere NGO gibt, die unser Engagement nicht befürwortet, aber das interessiert mich nicht.

Es gab ja zum Beispiel die bewusste Ansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Bezug auf die Europawahl, in der sie den Wunsch äußerte, dass sich Unternehmen mehr beteiligen. Merkel hat dies in internen Kreisen, aber auch bei BDI-Empfängen gesagt. Gibt es denn Situationen, in denen etwa der Bürgermeister sagt: „Wir haben ein Stadtfest, könnt ihr uns da unterstützen?“
Nein. Wenn mich Politiker unmittelbar zu diesen Themen fragen oder gar auffordern würde, dann würde ich das nicht tun. Wenn aber ein Verein kommt und um Unterstützung bittet, dann gehen wir in den Abwägungsprozess. Ich versuche das strikt zu trennen. Unser gesellschaftliches Engagement besteht auch schon länger, als Frau Merkel Bundeskanzlerin ist. Ihrer Aufforderung hat es also bei uns nicht bedurft. Ich orientiere mich eher an der Geschichte. Selbst in der Vorkriegszeit bzw. in der Zeit vor 1920 waren es in der städtischen Entwicklung unserer Heimatstadt immer auch die Unternehmer, die der Region sehr viel zurückgegeben haben. Deshalb sehe ich eine Verpflichtung eher in der Tradition der Unternehmer und weniger in der Aufforderung der Politik.

Eine unternehmerische Verantwortung für das nahe Umfeld ist ja nichts radikal Neues. Nehmen wir etwa ThyssenKrupp: Der Konzern hat Krankenhäuser gebaut, Sport und Schulen unterstützt. Ist das ein Trend, der jetzt wiederkommt? Glauben Sie, dass das für Unternehmen zum Pflichtprogramm wird?
Ob es ein Trend wird, weiß ich nicht. Ich sehe aber die Notwendigkeit. Ich habe zunächst von der Unterstützung im Sportbereich gesprochen, weil wir durchaus auch sportliche Mitarbeiter brauchen. Aber wir merken natürlich, dass es gerade für die Ausbildung von Führungspersönlichkeiten wichtig ist, sich schon mal mit anderen auseinandergesetzt zu haben – etwa in einer Mannschaft im Sport. Da sammelt man Erfahrungen. Man muss einstecken können, man muss ausprobiert haben, wie man mit Menschen umgehen kann. Man muss die unterschiedlichen Typen von Menschen in den jeweiligen Situationen einmal erfahren und analysiert haben, um dann eine Art zu entwickeln, wie man mit ihnen umgeht und sie auch führt. Auf der anderen Seite stehen natürlich die gesellschaftlichen Belange: Wir wissen, welche Bedeutung zum Beispiel das THW oder die Feuerwehr haben. Wenn wir den Nachwuchs nicht unterstützen, werden diese gesellschaftlichen Aufgaben nicht mehr erfüllt. Die Politik stellt zwar die Anforderungen, wenn man aber vor Ort ist, sieht man die schlechten Ausrüstungen. Wir sehen also die Notwendigkeit, dass dringend geholfen werden muss. Und es kommt ja auch jedem Bürger selbst zugute, wenn beispielsweise in Notfällen eine solche Infrastruktur benötigt wird.

Die Politik setzt also den Rahmen und fordert das, was Sie gerade angesprochen haben. Aber Sie sehen, dass diese Strukturen nicht zufriedenstellend ausgestattet sind und durch die Politik nicht so unterstützt werden, wie es nötig wäre, um gut zu funktionieren. Ist hier also im weitesten Sinne Ihre unternehmerische Verantwortung gefragt, Unterstützung zu bieten, wo sie fehlt?
Genau. Wir wissen ja, dass die Politik jedes Jahr, vor allem im Wahlkampf, eine ganze Menge Lippenbekenntnisse abgibt. So heißt es, dass man sich als Bürger nicht unbedingt darauf verlassen kann, dass nach der Wahl auch gilt, was vor der Wahl gesagt wurde. Aber in unserem regionalen Leben spielen das Miteinander, der gegenseitige Respekt, die Anerkennung und die Achtung vor dem, was jeder Einzelne in seinem Bereich leistet, eine entscheidende Rolle. Dies ist die Grundvoraussetzung für ein vernünftiges Zusammenleben. Auf der einen Seite ist es also der Wille, ein besseres Lebensumfeld mitzugestalten. Auf der anderen Seite ist es immer auch Eigennutz, denn ich lebe ja hier, meine Familie lebt hier, und ich möchte natürlich, dass die Region so attraktiv ist, dass auch meine Kinder und Enkel hierbleiben wollen. Ich will schließlich über all die Jahre nicht umsonst hart gearbeitet haben. Ich möchte, dass mein Betrieb als Familienunternehmen seinen Fortgang findet. Das funktioniert aber nur, wenn auch die Kinder der Überzeugung sind, dass das hier ein lebenswertes Umfeld ist.

Sie erwähnten eben, dass Ihr Engagement von NGOs möglicherweise nicht so befürwortet wird. Können Sie das ein bisschen ausführen?
Ich bin für viele ein Mann mit Ecken und Kanten, weil ich meinen eigenen Überzeugungen folge. Dann wird einem natürlich immer unterstellt, dass man sich nur engagiert, um bestimmte Einflussnahmen möglich zu machen oder bestimmte Interessen durchzusetzen. Das habe ich nicht nötig. Das Hauptgeschäft der Hentschke Bau GmbH ist der Brückenbau. Durch mein Engagement in Kindergärten haben wir aber noch keinen Auftrag für eine Brücke erhalten. Ich bin zwar in der DDR geboren, aber mit bäuerlichen Wurzeln und einer bürgerlichen Erziehung bin ich ein überzeugter Unternehmer, der den Wettbewerb schätzt. Für den Wettbewerb muss es faire Regeln für alle geben. Wenn ich von anderen verlange, dass sie mir gegenüber fair sind, dann muss ich das auch selbst vorleben.

Also gibt es die Unterstellung, dass Sie sich durch Ihr Engagement zum Beispiel staatliche Aufträge verschaffen?
Dass ich mir dadurch Vorteile verschaffe.

Behaupten das Wettbewerber, oder wer sagt das?
Ich bin parteilos, aber es kommt hauptsächlich aus politischen Lagern links der Mitte. Da gibt es wunderbar schöne Geschichten. Da haben wir zum Beispiel in der Stadt unseres Hauptsitzes zum Weihnachtsmarkt Weihnachtstannen aus Beton erstellt, als es um die Sicherung von Weihnachtsmärkten ging. Selbst da wurde mir unterstellt, dies würde ich nur tun, um die Gesellschaft zu spalten.

Dann birgt solch ein Engagement also auch Risiken?
Ich bin jetzt seit einem Jahr Stadtrat. Und ich bin in einer Stärke zum Stadtrat gewählt worden, die es zuvor noch nie in meiner Heimatstadt gab. Auf der einen Seite zeigt es natürlich, dass man mit dem, was man tut, eine große Akzeptanz in der Bevölkerung findet. Gleichzeitig gibt es natürlich auch politische Neider und Gegner, die sagen: „Das ist er nur, weil er sich das alles erkauft hat.“

Das wird dann auch offen unterstellt?
Ja, auch in Social Media Kanälen und im öffentlichen Diskurs.

Führt Ihr Mandat im Stadtrat auch dazu, dass Ihr Unternehmen politisierter wird? Wird das im Unternehmen diskutiert, nach dem Motto: „Der Chef ist jetzt im Stadtrat“?
Ich trenne meine politischen Aktivitäten so gut wie möglich vom Unternehmen.

Wenn Sie da noch ein bisschen tiefer gehen, werden Sie sehen, dass ich schon seit längerem sehr politisch bin. Ich weiß, dass sich ein Unternehmen in einem politischen und wirtschaftlichen Umfeld bewegen muss. Dieses Umfeld bestimmt auch den Erfolg des Unternehmens, und damit reflektiert es auch auf die Mitarbeiter. Es geht nicht darum, jede einzelne Entscheidung transparent zu machen. Aber ich halte es für sinnvoll, den Mitarbeitern zu vermitteln, warum und weshalb man eine Entscheidung trifft, die manchmal vielleicht nicht für jeden nachvollziehbar ist. Immerhin ist es mir gelungen, in meiner 30-jährigen Tätigkeit noch nicht ein einziges Mal wegen schlechter Lage Personal in Größenordnungen abbauen zu müssen.

Mit Entscheidungen meinen sie betriebliche Entscheidungen?
Ja, betriebliche Entscheidungen, zum Beispiel warum man sich in Bezug auf eine bestimmte wirtschaftliche Ausrichtung in die eine oder die andere Richtung bewegt. Ich bin der Überzeugung, dass nur Mitarbeiter, die auch wissen, warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden, diese entsprechend im Unternehmen weiterführen.

Wenn Sie unter Ihr Engagement einen Strich ziehen würden, glauben Sie, dass es für Ihr Unternehmen insgesamt positiv ist beziehungsweise war? Oder würden Sie eher sagen, dass es problematisch war?
Es gibt ein altes Sprichwort: „Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.“ Ich habe schon angedeutet, dass ich hinsichtlich der Wahl meiner Person zum Stadtrat viel Zuspruch erhalten habe. Und ich merke es auch, wenn wir hier in der Stadt als Firma, oder ich als private Person, bestimmte Projekte entwickelt und realisiert haben, wie das Bahnhofsgebäude, das wir gemeinsam mit einem Partner umgesetzt haben. Das war immer Thema in der Stadt: Der Bahnhof war eine Ruine, jetzt ist er ein moderner Punkt des Reisens und ein Behördenzentrum. Wenn die Menschen anschließend auf einen zukommen, dann sprechen sie den Dank auch aus für das Engagement bzw. für das, was man tut. Das ist das, was im Wesentlichen gegenüber den Anfeindungen überwiegt. Erfolg bringt nun mal Neider und Gegner mit sich, und Missgunst gibt es immer. Damit muss man lernen richtig umzugehen.

Sind denn auch Parteispenden etwas, von dem Sie sagen, dass es am Ende des Tages eine Form gesellschaftspolitischen Engagements ist? Etwas, was Sie für das Unternehmen getan haben oder wo Sie gesagt haben: „Das ist meine private Sicht als geschäftsführender Gesellschafter“?
Sie sprechen die AfD-Spende 2017 an?

Genau. Das findet sich vermehrt im Internet.
Dabei haben wir auch viel größere Summen an andere Parteien oder regionale Vertreter gespendet, von denen ich sage, dass es Persönlichkeiten sind, die ihren Beitrag leisten und deren Unterstützung ich für wichtig halte, damit sie in der Gesellschaft vorankommen. Zur AfD-Spende: Ich hielt es damals für wichtig, dass an der Einhaltung der Gründungsabsprachen der Europäischen Union und vor allem des Euros festgehalten wird. Da gab es zum Beispiel die Haftungsklausel der Länder untereinander, dass das ausgeschlossen ist. Solche Dinge sind wichtig für die Unternehmen. Wenn durch Haftungsübernahme die Staatsverschuldung unseres Landes steigt, dann sinken in der Regel die Investitionen. Das hat Auswirkungen auf Unternehmen und vor allem auf Bauunternehmen, die auf staatliche Investitionen angewiesen sind. Ich hielt dies für grundlegend falsch. Wir werden in Kürze sehen, insbesondere jetzt im Rahmen der Corona-Krise, was da alles falsch gemacht wurde.

Würden Sie noch einmal spenden?
Die Frage stellt sich nicht. Ich bin der Meinung, dass es zu der Zeit richtig war. Damals war es die einzige Partei, die sich in diese Richtung überhaupt bewegt und entsprechende Fragen gestellt hat. Ich bin auch nicht der Typ, der sich mit dem Blick zurück aufhält, sondern eher jemand, der versucht, den Blick nach vorn zu wagen.

Erwarten Sie von Ihrem sozialen Engagement unterm Strich auch einen ökonomischen Nutzen?
Ich weiß nicht, ob man das direkt als ökonomischen Nutzen bezeichnen kann, aber es ist auf jeden Fall wichtig für den Fortbestand des Unternehmens. Nur wenn ich mit die besten und bodenständigsten Mitarbeiter habe, hat das Unternehmen langzeitig Bestand und kann der Region wieder etwas zurückgeben. Ich würde es eher als einen Kreislauf des Nehmens und Gebens betrachten, der immer wieder zueinander reflektiert.

Wie wird sich das soziale Engagement denn in Zukunft gestalten?
Zunächst glaube ich, dass gerade einiges auf uns zukommt: und zwar die Abwicklung der Krise, die bereits 2008 begonnen hat. Das Missverhältnis zwischen Produktivität und Nettokaufkraft, das entstanden ist und das nur durch Schulden gedeckt wurde. Wenn dieser Überkapazitätenabbau jetzt erfolgt, wird das ein langwieriger Prozess, der in den Regionen noch spürbarer wird. Umso wichtiger wird es, dass wir versuchen, das zu erhalten, was erhalten werden kann, und dort zu unterstützen, wo die Politik nicht ihren Aufgaben nachkommt – wobei ich gerade dieses zentrale Umverteilungssystem nicht sonderlich befürworte. Als ThyssenKrupp entschieden hat, dass sie Wohnungen für ihre Angestellten brauchen, wussten sie ganz genau, was die Bedürfnisse ihrer Angestellten sind und wie so etwas ausgerichtet werden muss. Wenn in der heutigen Zeit aber alles aus zentralen Töpfen kommt, werden dazu erstmal Richtlinien verfasst. Über diese Richtlinien geht es in Unterverteilungen und dann werden Anträge gestellt, um das Geld wieder in die Regionen zurückzuholen. Und wenn diese Förderungen bzw. Richtlinien auch noch so formuliert sind, dass sie daneben gehen und nicht den Kern treffen, dann sind die Prozesse einfach falsch. Sie sind überreguliert, überbürokratisiert und schaffen nur geringen Nutzen. Wir als Unternehmen hier in der Region wissen am besten, wo das Geld wirklich gebraucht wird. Die Unterstützung, die wir leisten, funktioniert schnell und unbürokratisch.

Es geht ja auch viel Geld verloren durch diese Prozesse, durch die Bürokratie. Die Antragstellung muss ja irgendjemand machen, sie muss von jemandem geprüft werden …
Ja. Viel besser wäre es, das Geld vor Ort einzusetzen. Solange ich hier in der Bundesrepublik lebe, wurde immer gesagt: „Wir müssen mehr für die Bildung tun, wir müssen unsere Schulen besser ausstatten.“ Nun kann man sich in unserer Stadt über die Schulen nicht so sehr beklagen, aber der Lehrermangel und die Ausstattung mit neuer Kommunikationstechnik lässt doch noch zu wünschen übrig. Wir sprechen diese Themen schon seit Jahrzehnten an, aber sie werden nicht wirklich gelöst. Das ist das, was ungeduldig macht.

Glauben Sie denn, dass Sie als Unternehmer in Zukunft mehr in Richtung Politik arbeiten wollen, also mehr Kontakt haben wollen? Dann wäre das beispielsweise die Landespolitik, wenn wir über Bildung reden.
Es gab schon Anfragen. Auf der anderen Seite bin ich leidenschaftlicher Unternehmer. Ich merke schon als Stadtrat, dass Politik eine ganz andere Umgebung ist, als ein Unternehmen zu führen. Da gilt es, Mehrheiten zu organisieren usw. Es ist ein sehr großer zeitlicher Aufwand. Ich würde es daher bei der Kommunalpolitik belassen, weil ich denke, dass ich als erfolgreicher Unternehmer der Region wahrscheinlich mehr Unterstützung bieten kann, als wenn ich in die Politik gehen würde. Zudem haben es die Parteien schwer, im Parteiensystem zu überleben. Deswegen bin ich auch für ein Bürgerbündnis angetreten, um die Nicht-Parteizugehörigkeit zu gewährleisten. Das halte ich für eine moderne Form. Solange Engagement an eine Partei geknüpft ist, wird es das mit meiner Zugehörigkeit wahrscheinlich nicht geben.

Das ist aber eine persönliche Entscheidung?
Das ist eine persönliche Entscheidung.