Knapp der Abwahl entgangen, aber nichts gelernt
Sprücheklopfer, Spalter und nun auch noch Stadtführer
Nach einem erfolgten Abwahlantrag würde man bei den meisten Politikern etwas Demut erwarten. Zumindest die Erkenntnis, dass fast die Hälfte des Stadtrates das Vertrauen in die eigene Arbeit verloren hat, hätte die Bereitschaft reifen lassen können, den eigenen Kurs kritisch zu hinterfragen. Nicht so bei Herrn Vogt. Die Einsicht, dass man vielleicht nicht immer recht hatte und dass es Gründe geben könnte, weshalb sich Widerstand gegen die eigene Amtsführung bildet, fehlt vollends.
Der vom Bürgerbündnis Bautzen initiierte und unterstützte Abwahlantrag scheiterte bekanntlich nur knapp. 15 Stadträte stimmten dafür, 13 dagegen, eine Stimme enthielt sich. Wer ein solches Ergebnis erlebt, sollte verstehen, dass es dabei nicht um einen gewöhnlichen politischen Streit geht. Es geht um einen massiven Vertrauensverlust, der weit über kommunalpolitischen Zank hinausgeht. Die Hälfte der gewählten Vertreter dieser Stadt war der Auffassung, dass Karsten Vogt nicht mehr der richtige Mann an der Spitze des Rathauses ist.
Meister der Ankündigung, Lehrling in Sachen Umsetzung
Ein solches Signal könnte, ja sollte nachdenklich machen. Stattdessen scheint im Bautzener Rathaus aber alles weiterzulaufen wie bisher. Fast vier Jahre nach Amtsantritt stellt sich inzwischen eine einfache Frage: Was genau ist eigentlich die große Leistung dieses Oberbürgermeisters? An was soll man ihn messen? Was bleibt von seiner „Arbeit“? Welche Projekte verbindet man unmittelbar mit seinem Namen? Welche sichtbaren Fortschritte hat Bautzen in dieser Zeit gemacht? Welche Probleme wurden gelöst? Vogt ist Meister der Ankündigung, Geselle in Sachen Inszenierung, aber bestenfalls nur Lehrling in Sachen Umsetzung.
Dafür fallen vielen Bürgern andere Dinge ein. Wiederkehrende Konflikte mit Mitarbeitern, Streit in der Verwaltung und Auseinandersetzungen mit Trägern, Vereinen oder Einrichtungen. Personaldebatten und handwerkliche Fehler, die immer wieder öffentliche Aufmerksamkeit binden, während zentrale Zukunftsfragen der Stadt ungelöst bleiben. Die Themen wechseln. Das Muster des Prinzips Vogt bleibt.
Kritik auch aus den eigenen Reihen
Viele bekannte Konflikte werden dabei nicht einmal von politischen Gegnern geschildert, sondern aus dem eigenen Umfeld der Verwaltung. Wer die Diskussionen der vergangenen Jahre verfolgt hat, erkennt schnell, dass es sich längst nicht mehr um einzelne Missverständnisse oder zufällige Meinungsverschiedenheiten handelt. Wenn immer wieder ähnliche Vorwürfe auftauchen, wenn immer wieder Menschen frustriert die Zusammenarbeit mit Herrn Vogt beschreiben, dann sollte ein verantwortungsvoller Oberbürgermeister zumindest die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass die Ursachen vielleicht nicht ausschließlich bei den anderen liegen. Genau diese Selbstreflexion fehlt jedoch.
Abarbeiten an Nebenkriegsschauplätzen
Während Bautzen vor großen Herausforderungen steht, während wirtschaftliche Entwicklung, Stadtmarketing, Infrastruktur, Innenstadtbelebung und demografischer Wandel auf der Tagesordnung stehen müssten, entsteht zunehmend der Eindruck, dass sich die öffentliche Wahrnehmung des Oberbürgermeisters vor allem an Nebenschauplätzen festmacht.
Stadtführer oder Stadt-Führer?
Inzwischen tritt Karsten Vogt regelmäßig als Stadtführer auf und erklärt Besuchern die Geschichte Bautzens, führt durch die Altstadt und präsentiert die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Wer sich für die Geschichte seiner Heimatstadt begeistert und Gästen ihre Besonderheiten näherbringt, verdient zunächst Anerkennung.
Die Frage ist jedoch, ob dies die Aufgabe eines Oberbürgermeisters sein sollte – zumindest in einer Stadt, die vor erheblichen Herausforderungen steht. Bautzen kämpft mit wirtschaftlichen Fragen, der Gewinnung neuer Investitionen, der Entwicklung seiner Innenstadt und den Folgen des demografischen Wandels. Unternehmer, Vereine und Bürger erwarten Antworten auf Probleme der Gegenwart und Konzepte für die Zukunft.
Gerade deshalb wirkt es auf viele Menschen befremdlich, wenn sich die öffentliche Wahrnehmung des Oberbürgermeisters zunehmend an symbolischen Nebenschauplätzen festmacht. Die Bürger brauchen keinen Rathausmitarbeiter im Freizeitmodus, sondern einen Oberbürgermeister, der seine gesamte Kraft auf die Entwicklung der Stadt konzentriert. Niemand erwartet von ihm, Reiseleiter zu sein. Man erwartet von ihm, die Stadt durch schwierige Zeiten zu führen.
Hang zum Klamauk
Hat also der OB zu viel Freizeit oder gar die Herausforderungen der Stadt nicht verstanden? Viele Politiker haben einen Hang zum Klamauk, die meisten versuchen aber zumindest parallel dazu etwas Substanz zu liefern. Herr Vogt verzichtet auf die Substanz und setzt nun mit seiner „Stadtführung“ noch einen obendrauf: noch mehr Effekthascherei, noch mehr Inszenierung, aber eben null Ergebnisse.
Die eigentliche Aufgabe eines Oberbürgermeisters besteht nicht darin, Besuchern zu erklären, warum Bautzen einst erfolgreich war. Seine Aufgabe besteht darin, dafür zu sorgen, dass Bautzen auch in Zukunft erfolgreich bleibt. Wer die Verantwortung für eine Stadt trägt, sollte seine Energie darauf verwenden, Probleme zu erkennen, Entscheidungen zu treffen, Investitionen zu ermöglichen und Perspektiven zu schaffen.
Führen, statt inszenieren
Vielleicht wäre genau jetzt der richtige Zeitpunkt für etwas mehr Demut. Nicht gegenüber politischen Gegnern, sondern gegenüber den Bürgern dieser Stadt und gegenüber einem Stadtrat, in dem vor wenigen Monaten die Hälfte der Mitglieder überzeugt war, dass Bautzen einen anderen Oberbürgermeister braucht. Wer ein solches Warnsignal ignoriert, läuft Gefahr, es beim nächsten Mal nicht mehr als Warnsignal zu erleben.
Ein Oberbürgermeister ist kein Entertainer, kein Reiseleiter und kein Moderator des Stadtgeschehens. Seine Aufgabe besteht darin, Entscheidungen zu treffen, Prioritäten zu setzen und Verantwortung zu übernehmen. Genau an diesem Amtsverständnis wachsen jedoch die Zweifel vieler Bürger.
Denn die Bürger brauchen keinen Fremdenführer im Rathaus. Sie brauchen einen Oberbürgermeister, der die Stadt führt – in die Zukunft.





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